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Ein Blick zurück...

...auf die "Klezmerwelten 2004"

in einem Interview mit den Machern

 

 

Buersche Zeitung, 08.05.2004

Echo reicht bis New York

KLEZMERWELTEN: Die Begegnung mit jiddischer Musik begeistert das Publikum

Weniger umfangreich als im letzten Jahr fiel die Neuauflage der "Klezmerwelten"aus. Aber das Echo war auch diesmal enorm. Im Gespräch mit dem dreiköpfigen Veranstaltungsteam des städtischen Kulturreferats, Dr. Volker Bandelow, Wiltrud Apfeld und Paul Baumann, zieht unser Mitarbeiter Christoph Giese Bilanz.

Fast alle Konzerte und die Workshops mit "Khupe" und Tanzmeister Steve Weintraub waren ausgebucht. Das Echo beim Publikum war erfreulich groß. Bei den Medien, vor allem den überregionalen, sieht das ein wenig anders aus.

Bandelow: Ja, und darüber denken wir auch sehr intensiv nach. Es gibt schon Journalisten, die sich bei uns über die "Klezmerwelten" erkundigt haben und diese Informationen in ihren Artikel haben einfließen lassen - ohne die Stadt Gelsenkirchen auch nur einmal zu erwähnen. Aber das ist ohnehin ein Problem, dass unsere Stadt von auswärtigen Journalisten kaum wahrgenommen wird. Wir haben Reaktionen aus Hamburg oder New York bekommen, wo man uns für unsere Reihe gelobt hat. Aber die überregionalen Zeitungen lässt das kalt.

"Diesmal herrschte Festival-Stimmung"
 

Apfeld: Wenn berichtet wird in den Feuilletons, werden Klischees bedient. Es wird nicht reflektiert, es wird nicht kritisch hinterfragt, so wie wir das mit den "Klezmerwelten" ja auch getan haben und tun. Die Klezmermusik hat ihren historischen Kontext, aber geht doch weit darüber hinaus. Da gibt es doch viel zu beleuchten, das ist doch das Spannende.

Bandelow: Dabei werden wir mittlerweile wahrgenommen als ein Ort, wo intelligent über die Klezmermusik nachgedacht wird. Wir bekommen inzwischen viele Anfragen zu dem Thema. Das ist uns auch wichtig, dass man sieht, dass wir uns hier nicht mit Briketts bewerfen, sondern dass kulturell etwas gemacht wird, was über die Stadtgrenzen hinaus Bestand hat. Dass die überregionale Presse das noch nicht gemerkt hat, ist ein separates Problem. Aber das Feedback der Bevölkerung ist gut. Auch das sich so etwas wie ein Festival-Feeling eingestellt hat, hat funktioniert. Die Gruppen "Khupe" und "Veretski Pass" waren gleich mehrere Tage in der Stadt.

Baumann: Das war der absolute Höhepunkt in diesem Jahr. Dass "Veretski Pass" bei "Khupe" mit eingestiegen sind und nach dem Auftritt alle noch mit den Workshop-Teilnehmern unten in der Consol-Kneipe weitergemacht haben, das war fantastisch. Davon habe ich geträumt.

Jetzt erwarten die Klezmerfreunde von nah und fern doch sicher ein regelmäßiges Klezmer-Festival in Gelsenkirchen. Gibt es dafür eine Zukunft?

Baumann: Es gibt Gedankenspielereien, die haben aber keinen Planungswert. Ich frage mich natürlich auch, ob das bisherige Feedback ausreicht, um progressiv nach vorne zu arbeiten. Vom Publikum sind wir aber vermehrt so angesprochen worden, als würde es im nächsten Jahr natürlich weitergehen.

 

Wiltrud Apfeld, Dr. Volker Bandelow, Paul Baumann

 

"So etwas stünde uns gut zu Gesicht"

Bandelow: Es macht auf jeden Fall Sinn, im westdeutschen Raum ein solches Angebot kontinuierlich auf die Beine zu stellen und dieses Angebot immer wieder mit neuen inhaltlichen Schwerpunkten zu füllen. So etwas anzubieten, stünde uns gut zu Gesicht, weil wir mit Leidenschaft dabei sind. Mit einer Finanzierung überwiegend aus Steuergeldern der Stadt können wir das aber nicht liefern. Wir planen also momentan, wie wir an Geld kommen. Davon ist vieles abhängig.

Wie sind die "Klezmerwelten" eigentlich von den jüdischen Mitbürgern in der Stadt angenommen worden?

Apfeld: Sowohl von der jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen als auch von dem jüdischen Kulturverein Kinor haben wir viel Positives erfahren. Kinor war ja in diesem Jahr mit dem Workshop für Jugendliche und dem Konzert von Elena Gubenko sogar beteiligt. Unsere jüdischen Mitbürger, von denen die meisten aus der Ukraine und Russland stammen, konnten in ihren Herkunftsländern ihre eigene jüdische Kultur kaum leben. Jetzt sind sie seit fünf, zehn oder ein paar mehr Jahren hier und erleben ein zunehmendes öffentliches Interesse an jüdischer Kultur und an Musik aus ihrer Herkunftsregion. Es werden bei ihnen Erinnerungen geweckt in einem Land, in dem sie das nicht erwartet hätten. Das bedeutet diesen Menschen sehr viel, und es ist auch ein kleiner Baustein des gemeinsamen Miteinanders.

 

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